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Internationale Wochen gegen Rassismus 2017

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13. bis 26. März 2017

Was ist eigentlich Rassismus? Bin ich selbst von Rassismus betroffen? Oder verletze vielleicht ich meine Mitmenschen mit einigen Ansichten, Vorurteilen und Ausdrücken? 

Unter Rassismus versteht man die Einteilung von Menschen nach bestimmten Merkmalen. Hierzu zählen zum Beispiel Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sprache oder Sexualität und einer anschließenden Unterstellung von bestimmten negativen Handlungen oder negativen Charakterzügen. Die eigene Gruppe jedoch, stehe immer über den anderen, man sei klüger und kultivierter. Diese „angebliche Überlegenheit“ verstärkt den Rassismus und verleitet dazu, andere Gruppen zu erniedrigen und in einigen Fällen verbal oder auch körperlich anzugreifen.

Eine solche Erniedrigung erfuhren auch die Südafrikaner/-innen 1952, als in der Zeit des Apartheid-Regimes die Passgesetze verschärft wurden und Menschen mit schwarzer Hautfarbe sich besonders ausweisen mussten, in dem sie ab dem 16. Lebensalter dazu verpflichtet wurden, ein Referenzbuch bei sich zu tragen, in dem die persönliche Biografie und die Angestelltenverhältnisse dokumentiert waren.

Vor 57 Jahren, am 21. März 1960, gingen über 20.000 Menschen in Sharpeville, Südafrika, auf die Straßen demonstrieren, um gemeinsam ein Zeichen gegen die diskriminierenden Passgesetze des damaligen Apartheid-Regimes zu setzen. Diese eigentlich friedliche Demonstration wurde später bekannt als das „Massaker von Sharpeville“, bei dem 69 Demonstrierenden erschossen und 180 verletzt wurden.

Zur Erinnerung an diesen Tag, wurde der 21. März durch die Vereinten Nationen als „Internationaler Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung“ ausgerufen. Aus dem Tag wurden begleitende Aktionswochen, bei denen die Menschen über Rassismus aufgeklärt und durch verschiedene Projekte und Aktionen, Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammengeführt werden sollen.

Als Zeichen gegen Rassismus haben sich in diesem Jahr das AWO Stadtteilbüro Laatzen-Mitte, das Stadthaus der Stadt Laatzen, das Netzwerk für Flüchtlinge in Laatzen e. V., das AWO Flüchtlingsheim in Gleidingen und die Kunstgruppe aus dem Wohnheim in der Gutenbergstraße an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ mit unterschiedlichen Aktionen zwei Wochen lang beteiligt.

Kunst der Vielfalt

Den Auftakt der „Wochen gegen Rassismus“ war die Eröffnung der Ausstellung  „Kunst der Vielfalt“, die Herr Nebot, stellv. Bürgermeister der Stadt Laatzen, eröffnete.

Der Künstler Ali Maher betreut seit einiger Zeit eine Kunstgruppe in dem Wohnheim in der Gutenbergstraße. Maher ist ein ehemaliger aus Syrien geflüchteter Mann, der den Menschen im Wohnheim, nach der furchtbaren Flucht, unterstützen möchte. „Bei der Verarbeitung der Erlebnisse helfe das Malen“ so Maher. Die Bilder zeigten deutlich, wie vielfältig Kunst sich ausdrücken kann: stille Trauer und Angst, aber auch Hoffnungen und Wünsche sind in den Werken zu erkennen.

Gemeinsam mit einigen Malern treffen sie sich wöchentlich, um gemeinsam an ihren Kunstwerken zu arbeiten. Ali Maher und seine Gruppe wählten einige Werke aus, die während der Wochen gegen Rassismus im Stadthaus ausgestellt wurden.

Workshop: „Umgang mit Vielfalt – Abbau von Vorurteilen“

Frau Dr. Martínez aus dem Stadtteilbüro und Herr Dr. Rohloff aus dem AWO Wohnheim Gleidingen, haben Haupt- und Ehrenamtliche aus Laatzen eingeladen, an dem Workshop „Umgang mit Vielfalt – Abbau von Vorurteilten“ teilzunehmen. Zu Beginn wurde den Teilnehmer/-innen das „allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ vorgestellt und die theoretischen Ansätze mit klaren Praxisbezügen und Urteilen erläutert.

„Wenn das so weiter geht, haben wir bald nur noch Türken, Polen und Neger hier“, ist ein Zitat aus dem Kurzfilm „Schwarzfahrer“ von Pepe Danquart, von 1992, der eine mögliche, alltägliche Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft darstellt. Gemeinsam mit den Teilnehmer/-innen wurde dieser Film, angeschaut und tiefsinnig diskutiert. Im Vordergrund der Diskussion stand die Frage: „Wie würde ich reagieren, wenn Menschen vor mir mit verbalen Diskriminierungen ausgesetzt werden? Wie kann ich einschreiten? Wie könnte ich Unterstützung bekommen?“.

Als Abschluss des Workshops wurde eine Übung mit den Teilnehmer/-innen durchgeführt. Alle Teilnehmer/-innen gaben für eine kurze Zeit ihre Persönlichkeit ab und schlüpften in neue, fremde Rollen, die sie anhand von zugedeckten Kärtchen gezogen haben. In diesen Rollen sollte jeder für sich die Fragen beantworten, welche Probleme sich mit der neuen Person und den  Lebenseinstellungen ergeben, vor welchen Herausforderungen man stehe und vor allem, könnte man sich vorstellen in der neuen Rolle glücklich zu sein?

Stellen Sie sich vor, Sie nehmen an der Übung teil und ziehen die Karten, die sie auf dem Foto sehen. Was würden Sie fühlen? Welche Ängste oder Probleme sehen Sie? (Foto mit den runden Kärtchen)

„Es war eine sehr wichtig und intensive Veranstaltung. Das Interesse der Teilnehmer/-innen zeigt auf, dass künftig für das Ehrenamt in Laatzen solche Workshops und Sensibilisierungstrainings stattfinden müssen!“ so Frau Dr. Martínez. Diese Ansicht teilten auch die teilnehmenden Ehrenamtlichen.

Filmnachmittag

Wenn der Geruch nach frischem Popcorn aufsteigt, sind die Kinobesucher/-innen  nicht weit. Die Mehrzweckräume des Stadthauses verwandelten sich in ein kleines Kino und die Besucher/-innen konnten kostenlos den Film „Monsieur Claude und seine Töchter“ schauen. Jeder Besucher erhielt eine Tüte mit selbstgemachtem Popcorn.

Luftballonaktion – Abschlussveranstaltung

Ca. 50 Laatzener/-innen haben sich zur gemeinsamen Abschlussveranstaltung der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ vor dem Stadthaus getroffen.

Als Zeichen für eine weltoffene und tolerante Stadt wurden grüne Luftballons mit dem Schriftzug „Laatzen gegen Rassismus“ mit Helium gefüllt und mit einer Postkarte versehen. Bürgermeister Köhne betonte zur Abschlussrede noch einmal die Wichtigkeit der Toleranz und zeigte auf, dass gerade in der heutigen Zeit, Zusammenhalt und Akzeptanz ein wichtiges Gut sei. Gemeinsam ließen die Teilnehmer/-innen der Abschlussveranstaltung 250 Luftballons in die Höhe steigen.

Das AWO Stadtteilbüro Laatzen-Mitte, das Stadthaus der Stadt Laatzen, das Netzwerk für Flüchtlinge in Laatzen e. V., das AWO Flüchtlingsheim in Gleidingen und die Kunstgruppe aus dem Wohnheim in der Gutenbergstraße danken allen Teilnehmer/-innen die an den Aktionen teilgenommen haben. Ein besonderer Dank geht an alle Ehrenamtlichen, durch die, diese Aktionen erst ermöglicht werden konnten. Eine Wiederholung für das kommende Jahr 2018 wurde sich bereits gewünscht. 

© Martínez & Koch E-Mail

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